Die CBOE veröffentlicht ein ganzes Bündel von Volatilitäts-Indizes.
Hier eine kurze Übersicht in einfacher Sprache:
VIX 30 Tage
Der Klassiker. Erwartete Schwankung des
S&P 500 in den nächsten 30 Tagen, abgeleitet aus
SPX-Optionspreisen. Auch „Angstbarometer“ genannt.
Wofür: Hauptmaß für Stress am US-Aktienmarkt.
Werte < 15 = Sorglosigkeit, 15–25 = normal, 25–40 = nervös,
> 40 = Panik.
Was tun?
VIX hoch (Pct > 60 %) → SPX-Optionen verkaufen
(Iron Condor, Put Credit Spread), VIX-Futures shorten.
VIX tief (Pct < 20 %) → Hedges günstig kaufen
(SPX-Puts, VIX-Calls).
VIX1D 1 Tag
Erwartete Vola für nur einen Handelstag.
Reagiert extrem stark auf Tagesnachrichten — Fed-Sitzungen,
NFP, CPI-Daten.
Wofür: Day-Trading-Risiko und
Event-Frühwarnung. Wenn VIX1D >> VIX → bevorstehendes Event eingepreist.
Was tun?
VIX1D-Spike vor Event → 0DTE-Optionen sind teuer; Verkauf möglich,
aber riskant. Nach dem Event („Vola Crush“) → Short-Vola-Trades
liefern oft schnelle Gewinne.
VIX9D 9 Tage
Erwartete Vola der nächsten 9 Handelstage.
Brücke zwischen Tages- und Monats-Vola.
Wofür: Im Verhältnis zum
VIX zeigt er kurzfristigen Stress vs. Mittelfrist.
VIX9D > VIX = akute Sorge.
Was tun?
VIX9D > VIX → kurzfristig defensiv, keine 7-DTE-Verkäufe.
VIX9D < VIX → kurzfristig ruhig, kurze Wochen-Optionen
können verkauft werden.
VIX3M 3 Monate
Erwartete Vola für 3 Monate (~93 Tage). Ruhiger und träger
als der VIX, weil längerfristige Optionen weniger panisch reagieren.
Wofür: Wichtigste Term-Struktur-
Referenz. Verhältnis VIX/VIX3M zeigt Contango (< 1) oder
Backwardation (> 1).
Was tun?
VIX/VIX3M < 0,95 (steiles Contango) → Roll-Yield arbeitet
für dich → SVXY/SVIX halten, VX-Futures shorten.
Ratio > 1 → sofort raus aus Short-Vola.
VIX6M 6 Monate
Erwartete Vola für ein halbes Jahr. Praktisch immer höher als
der Spot-VIX (Risikoprämie für die längere Zeit).
Wofür: Langfrist-Anker. Wenn
VIX6M selbst stark steigt, verschlechtert sich die Stimmung
nachhaltig — nicht nur kurzfristige Nervosität.
Was tun?
VIX6M-Anstieg → Langzeit-Absicherung wird teuer; jetzt
günstige Hedges nicht mehr nachkaufen, ggf. bestehende
Long-Vola-Positionen verkaufen.
VIX1Y 1 Jahr
Erwartete Vola für 12 Monate. Sehr stabil, fast wie eine
„durchschnittliche Markterwartung“.
Wofür: Strukturelles Niveau.
Wenn VIX1Y stark steigt → Markt rechnet mit länger andauernder
Unsicherheit (z.B. Rezession).
Was tun?
VIX1Y deutlich über 20 → strukturelles Stress-Regime; Short-Vola
nur sehr selektiv. VIX1Y unter 18 → Markt entspannt, Hedges
sind günstig.
VVIX VoV
Die Volatilität der Volatilität. Wie stark
schwankt der VIX selbst? Berechnet aus VIX-Optionen.
Wofür: Risiko-Maß für
Vola-Verkäufer. Hoher VVIX = der VIX kann jederzeit explodieren.
Werte > 110 = nervös, > 130 = sehr nervös.
Was tun?
VVIX hoch (> 120) → VIX-Calls sind teuer
→ verkaufen (z.B. weit OTM Call Credit Spread auf VIX).
Gleichzeitig Short-Vola-Positionsgrößen halbieren — der VIX kann
explodieren.
SKEW
Crash-Versicherungs-Index. Misst die
„Schiefe“ der SPX-Optionspreise — wie viel mehr wird für
Crash-Puts gezahlt als für gleichweit entfernte Calls.
Wofür: Tail-Risiko-Frühwarnung.
100 = symmetrisch, 130 = leicht schief, > 145 = institutionelle
Anleger sichern stark ab.
Was tun?
SKEW hoch → OTM-Puts sind sehr teuer → Put-Ratio-Spreads
oder Put Credit Spreads verkaufen. Aber Vorsicht: Smart
Money sichert nicht ohne Grund.
LTV Tail
Left Tail Volatility (Krishnan-Framework).
Isoliert die Vola, die nur aus Crash-Puts kommt.
Reiner als SKEW, weil andere Effekte rausgerechnet werden.
Wofür: Echtes Tail-Event-
Signal. Wenn LTV im obersten 5 % seiner Historie ist →
institutionelle Hedging-Welle aktiv.
Was tun?
LTV im Top-5 % → Vola-Verkauf einstellen,
Tail-Hedges aufstocken (Long VIX-Calls, Long SPX-Puts weit OTM).
Ein Crash ist statistisch wahrscheinlicher als sonst.
OVX
Crude Oil Volatility — VIX-Pendant für WTI-Öl.
Wofür: Geopolitik-Indikator.
Springt bei Nahost-Eskalation, OPEC-Entscheidungen, Russland.
Was tun?
OVX hoch → USO/Öl-Optionen verkaufen
(Strangles, Iron Condors). Korreliert oft mit Energie-Aktien-
Vola — auch dort Prämien gut.
GVZ
Gold Volatility — VIX-Pendant für GLD/Gold.
Wofür: Steigt in echten
Krisen (Inflations-Schock, Bankenkrise). Ruhiges GVZ = Gold
ist gerade kein Sicherheitshafen.
Was tun?
GVZ hoch → GLD-Optionen verkaufen
(Iron Condor, Strangle). GVZ tief → Gold-Calls günstig
kaufen, falls man auf Gold-Rally setzt.
VXN · RVX
VXN = VIX für Nasdaq 100 (Tech-lastig).
RVX = VIX für Russell 2000 (Small Caps).
Wofür: Sektor-Vergleich.
VXN > VIX deutlich → Tech-Stress.
RVX > VIX deutlich → Small-Caps unter Druck.
Was tun?
VXN/RVX hoch → QQQ- bzw. IWM-Optionen verkaufen
(mehr Prämie als SPX). Bei Spread-Verengung zum VIX → Sektor
normalisiert sich, Trade auflösen.
V2TX (VSTOXX)
Der V2TX ist der europäische VIX — er misst die 30-Tage
implizite Volatilität des Euro STOXX 50.
Berechnet von STOXX/Eurex nach der gleichen Methodik wie
der CBOE-VIX, aber auf Basis europäischer Index-Optionen.
Wofür: Europa-Angstbarometer.
V2TX > VIX → Europa hat mehr Stress als die USA.
V2TX/VIX-Spread zeigt regionale Risikoverschiebung.
Typischerweise liegt V2TX leicht über dem VIX (EU-Risikoprämie).
Was tun?
V2TX spike (ohne VIX) → europäische Vola verkaufen
(z.B. Euro STOXX Put Credit Spreads). V2TX/VIX-Spread extrem
hoch → Mean-Reversion-Trade: EU-Vola short, US-Vola long.